Kolumne Nr. 4: Sochi – meine dritten Olympischen Spiele

Der Einstieg nach meiner Verletzung war geglückt. Fit, voller Freude und Motivation und dem kurz davor erworbenen Vize-Europameister-Titel in der Tasche, machte ich mich auf an meine dritten Olympischen Spiele. Wir reisten erst nach der Eröffnungsfeier nach Sochi, um den Fokus bewusst auf unsere Wettkämpfe zu legen. Vom Flughafen, welcher direkt am Meer liegt, wurden wir ins Mountain Village gefahren. Von unserem Balkon aus genossen wir einen prächtigen Ausblick auf das Skigebiet von Rosa Khutor. Nach einer dreitägigen Akklimatisation bei Bilderbuchwetter starteten wir mit den ersten Trainings auf der Bobbahn. Eine einschneidende Entscheidung stand jedoch noch bevor. Beat Hefti musste festlegen, ob er das Olympische Zweierbobrennen mit Alex Baumann oder mit mir bestreiten wolle. Leider fiel der Entscheid zu meinen Ungunsten aus. Nun standen die härtesten zwei Tage meiner langjährigen Sportkarriere und siebenjährigen Zusammenarbeit mit Hefti bevor – ich musste während den zwei Renntagen in die Rolle des Zuschauers schlüpfen.

Nach dem Zweierrennen erfolgte das Training mit dem grossen Schlitten. Wir waren überzeugt, mit den Besten konkurrenzieren zu können; waren uns aber auch bewusst, dass zwischen einem Podestplatz und Rang zehn alles möglich sein wird. Die Weltspitze im Viererbob liegt enorm nah beisammen und man darf sich keine Fehler erlauben. Nach guten Trainings mussten wir mit der Startnummer 11 ins Rennen steigen, was sich infolge der warmen Temperaturen als Nachteil erwies. Nach dem ersten Tag lagen wir zwei Zehntelsekunden hinter dem Bronzeplatz. Wir griffen nochmals voll an aber mit einigen Fehlern in den Läufen Drei und Vier erreichten wir leider unser Ziel nicht. Wir beendeten das Viererbobrennen auf Platz Acht und erhielten ein Olympisches Diplom. Bereits am folgenden Tag traten wir die Heimreise an. Nach dreistündiger Verspätung unseres Abfluges kam ich um Mitternacht zu Hause an. Anderntags, um 04.45 Uhr, musste ich wieder los fahren nach St. Moritz, wo wir während sechs Tagen Gästebobfahrten mit Sponsoren durchführten.
Wieder zu Hause steht viel Arbeit an: Koffern auspacken, Material verräumen, waschen, Post erledigen, Gartenarbeiten, usw.

Sochi war für mich trotz allem ein riesen Erlebnis. Ich bin auch ein wenig stolz, dass ich mich nach der schweren Achillessehnenverletzung wieder an die Spitze zurück gekämpft habe. Bis Ende März werde ich mir Zeit nehmen, um über meine sportliche und berufliche Zukunft zu entscheiden.